Wildbienenförderung Herblinger Markt (SH)

by | März 13, 2021

Ausganslage:

Im Rahmen des Pro Natura Schaffhausen Projekts Diversität fördern – Vielfalt stärken konnte die Leitung des Einkaufszentrums Herblinger Markt in Schaffhausen für eine ökologische Aufwertung des Parkplatzareals gewonnen werden. Anlässlich der Sanierung des Einkaufszentrums wurden am Rande des Parkplatzes neun patches identifiziert und mit Fokus auf Wildbienen ökologisch aufgewertet.
Die IG Wilde Biene wurde angefragt, dieses Teil-Projekt in einer beliebigen Form zu unterstützen.

Beitrag der IG Wilde Biene:

Wir analysierten die 9 Standorte anlässlich einer Begehung und definierten pro Standort eine aufgrund der vorhandenen Niststrukturen mögliche Leitart. Für alle Standorte gestalteten wir in der Folge individuelle Infotafeln mit einem Kurzportrait des Standorts sowie der definierten Leitart und schufen so einen kleinen Wildbienen-Lehrpfad auf dem Parkplatz des Herblinger Markts.

  

Darüber hinaus zeichnen wir verantwortlich für eine grosse Wildbienen-Informations-Blache im Weltformat (F12), das am Standort angebracht wird und steuern ein halbes Dutzend Slides bei, die auf dem neuen, solar-betriebenen Infoscreen im Einkaufszentrum gezeigt werden und auf den Wildbienen-Lehrpfad auf dem Parkplatz aufmerksam machen soll.
Projektverantwortlich: Jürg Sommerhalder

Die Standorte:

Wildbienen-Patch # 1
Wildbienen-Patch # 2
Wildbienen-Patch # 3
Wildbienen-Patch # 4
• Wildbienen-Patch # 5: Blütenfläche ohne spezifische Niststrukturen
• Wildbienen-Patch # 6: Blütenfläche ohne spezifische Niststrukturen
Wildbienen-Patch # 7
Wildbienen-Patch # 8
Wildbienen-Patch # 9

AuftraggeberInnen:

Monika Wirz Projektbüro und Pro Natura Schaffhausen

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 1

Vorhandene Niststrukturen:
• Die aufgeschüttete Sandlinse bietet Raum für Bodennister, insbesondere solche mit einer Vorliebe für Sand.
• Daneben finden Hohlraumnister Raum zwischen den Steinen der Sandlinsen-Einfassung.
• Lückige Kies- und Erdbodenstellen erweitern das Angebot für Bodennister.
• Der toter Wurzelstock ist für Tot- und Morschholznister gedacht.
• Daneben erzeugen Wildstauden Nistplätze für Markstängelbrüter.

 

Leitart:
Als Leitart dieses Standorts haben wir die Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor) ausgesucht. Diese hübsche kleine Sandbiene ist eine klassiche Bodennisterin ohne spezifische Substratansprüche. Als eine der ersten fliegenden Arten des Bienenjahrs kann die Zweifarbige Sandbiene bereits an ersten warmen Februartagen beobachtet werden. Bezüglich Nektar und Pollen ist sie nicht wählerisch, so früh im noch weitgehend blütenlosen Jahr sieht man sie oft auf Huflattich (Tussilago farfara).

Weibchen:

Männchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © Jürg Sommerhalder

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 2

Vorhandene Niststrukturen:
• Zwei Trockensteinspiralen bieten Hohlraumnistern Raum für ihren Nestbau.
• Lückige Sand-, Kies- und Erdbodenstellen erweitern das Angebot für diverse Bodennister.
• Tote Wurzelstöcke sollen Tot- und Morschholznister ansprechen.
• Wildstauden schaffen Nistplätze für Markstängelbrüter.

 

Leitart:
Die Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) ist die Leitart dieses Standorts. Das Männchen zeigt eine ausgeprägte, elfenbeinfarbige Gesichtsmaske, die beim Weibchen in Form zweier dreieckiger, gelber Flecken zwischen den Augen nur angedeutet ist. Die Lücken in den Steinspiralen dieses Standorts sind ideale Nistplätze für diese kleinwüchsige Wildbiene. Den Pollen für die Aufzucht ihres Nachwuchses sammelt sie zwischen Juni und August ausschliesslich von Korbblütlern, wobei sie eine besondere Vorliebe für Rainfarn (Tanacetum vulgare) entwickelt. Nektar trinkt sie hingegen – wie viele andere Wildbienen – von verschiedenen Pflanzenfamilien.

Weibchen:

Männchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © Jürg Sommerhalder

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 3

Vorhandene Niststrukturen:
• Stehende und liegende Totholzstämme bieten sich Totholznistern an, die Bruthöhlen ins Holz nagen.
• Die Stämme sprechen mit ihren Käferfrassgängen und Rindenritzen auch Hohlraumnister an.
• Lückige Sand-, Kies- und Erdbodenstellen erweitern das Angebot für diverse Bodennister.
• Wildstauden schaffen Nistplätze für Markstängelbrüter.

 

Leitart:
Die Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens) ist die Leitart dieses Standorts. Den deutschen Namen verantwortet das Weibchen mit seiner metallisch-blauen Körperfärbung, während das Männchen eher grünlich-metallisch glänzt und durch sein fuchsrotes Pelzlein auffällt. Die Flugzeit dieser Art dauert von Mai bis August, wobei ab Juli eine partielle zweite Generation unterwegs ist. Das Weibchen nützt Käferfrassgänge und verlassene Bruthöhlen anderer Bienen im Totholz als Nistplatz, gibt sich aber auch mit alternativen bestehenden Hohlräumen wie etwa Markstängeln und Mauerritzen zufrieden. Was den Pollen angeht, ist diese Mauerbiene eine Allrounderin, sie hat aber eine klare Vorliebe für Schmetterlings- und Lippenblütler (Fabaceae und Lamiaceae).

Weibchen:

Männchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © Jürg Sommerhalder

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 4

Vorhandene Niststrukturen:
• Ein Totholzstamm sowie ein Wurzelstock bieten sich Morsch- und Totholznistern an.
• Bodennistern steht eine Sandlinse zur Verfügung.
• Lückige Kies- und Erdbodenstellen erweitern das Angebot für diverse Bodennister.
• Wildstauden schaffen Nistplätze für Markstängelbrüter.

 

Leitart:
Die Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis) ist die Leitart dieses Standorts. Sie besiedelt gerne vegetatiosnarme Lebensräume mit gut zugänglichen, offenen Böden. Die Bodennisterin gräbt Gänge in Abbruchkanten, Steilwände und ebene Böden, um darin ihre Nester anzulegen. Die Brutzellen werden – nomen est omen – mit einer seidenartigen Auskleidung versehen, welche die Weibchen zusätzlich mit einem Sekret imprägnieren. Dieses schützt ihre Larven vor Bakterien- und Pilzbefall. Wie ihr deutscher Name ausserdem nahelegt, sammelt diese Wildbiene Pollen am liebsten von Rainfarn, verschmäht aber auch andere Korbblütler nicht.

Weibchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © André Rey

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 7

Vorhandene Niststrukturen:
• Lückige Kies- und Erdbodenstellen bieten sich diversen Bodennistern an.
• Pflanzen mit markhaltigen Stängeln schaffen Nistplätze für Markstängelbrüter.

Leitart:
Die Gemeine Keulhornbiene (Ceratina cyanea) ist die Leitart dieses Standorts. Mit maximal 7mm Körperlänge ist sie ein Winzling. Das Männchen zeichnet sich durch einen weissen Gesichtsfleck aus, der beim Weibchen meistens fehlt. Ceratina cyanea ist eine Marktängelnisterin: Die Weibchen nagen tiefe Gänge ins Mark senkrechter oder leicht geneigter, abgebrochender Zweige und Ranken der Brombeere, von Disteln, Königskerzen und Hollunder. Auch Glockenblumen- und Resedenstängel finden die Beachtung nistender Weibchen. In den ausgenagten Gängen legen sie mehrere hintereinanderliegende Brutzellen an (Linienbau), die jeweils durch einen Propfen des herausgenagten Marks voneinander abgetrennt werden. Die Weibchen sind sehr fürsorgliche und langlebige Mütter: Sie bewachen und verteidigen ihre Nester (bspw. gegen Wespen und Ameisen, auch unter Einsatz eines Wehrsekrets) so lange, bis ihre Nachkommen die Kinderstube als fertige Bienen verlassen.
Hinsichtlich des Pollens für die Ernährung des Nachwuchses ist die Gemeine Keulhornbiene eine Opportunistin: Zahlreiche Blüten aus mindestens acht Pflanzenfamilien wurden für sie bereits nachgewiesen.

Weibchen:

Männchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © André Rey

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 8

Vorhandene Niststrukturen:
• Lückige Sand-, Kies- und Erdbodenstellen bieten sich diversen Bodennistern an.
• Totholz stehend und liegend spricht Morsch- und Totholznister genauso an wie Hohlraumnister.

 

Leitart:
Die Sechsbindige Furchenbiene (Halictus sexcinctus) erreicht mit ihren bis zu 16mm Körperlänge in etwa die Grösse einer Honigbiene. Sie ist eine Bodennisterin und besiedelt vorzugsweise Lebensräume mit sandigem, oder lösshaltigem Boden. In diesen gräbt sie Gänge, um darin ihre Nester anzulegen. Obschon sie eine Solitärbiene ist, lebt sie oftmals in grösseren Kolonien, wobei es sogar vorkommen kann, dass zwei oder mehr Weibchen dieselbe Bruthöhle benutzen.
Die langlebigen Weibchen schlüpfen im Hochsommer und paaren sich. Im Gegensatz zu den Männchen, die im Herbst sterben, überwintern die Weibchen und nisten erst im Folgejahr.
Hinsichtlich des Pollens für die Ernährung ihres Nachwuchses ist die Sechsbindige Furchenbiene nicht besonders wählerisch: Zahlreiche Blüten aus mindestens vier Pflanzenfamilien wurden für sie nachgewiesen.

Weibchen:

Männchen:

folgt

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © André Rey

>> Zurück zur Projektseite

Herblinger Markt: Wildbienen-Patch # 9

Vorhandene Niststrukturen:
• Schütter bewachsene Kies- und Erdbodenstellen richten sich an Bodennister.
• Totholz spricht Morsch- und Totholznister ebenso an wie Hohlraumnister.
• Ein Asthaufen bietet Nistmöglichkeiten für Markstängelnister.

 

Leitart:
Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) ist die Leitart dieses Standorts. Sie ist ganz schwarz, je nach Lichteinfall leuchten ihre Fügel aber tiefblau. Mit bis zu 30mm Körperlänge ist sie eine der grössten Wildbienen Mitteleuropas. Ein arttypisches Merkmal sind zwei orange Glieder kurz vor dem Fühlerende des Männchens.
Das Weibchen nagt ihre Bruthöhlen in morsches oder weissfaules Totholz, gelegentlich auch in Baumpilze. Sie kommt aber auch mit sehr dicken Pflanzenstängeln zurecht: In Italien wurden Nester in Stängeln des auch bei uns verbreiteten Neophyts Arundo donax (Riesenschilf) nachgewiesen.
In den 30 – 40cm langen Gängen legt das Weibchen bis zu 15 Brutzellen an und bestückt jede mit einem riesigen, bis 11mm langen Ei.
Die Blauscharze Holzbiene ist ein sehr agile und ausdauernde Fliegerin, die weitreichende Pollensammelflüge unternimmt. Obschon sie eine deutliche Vorliebe für Schmetterlingsblütler entwickelt sammelt sie auch den Pollen anderer Pflanzenfamilien wie etwa von Lippenblütlern, Korbblütlern und Borretschgewächsen. Die neue, im August geschlüpfte Generation fliegt bis in den Oktober hinein, überwintert dann und kann an warmen Tagen oftmals bereits im folgenden Februar beobachten werden.

Weibchen:

Weibchen beim Nagen einer Bruthöhle in weissfaules Holz. (Video: ©Jürg Sommerhalder)

Männchen:

Arten an diesem Standort:
Hier werden wir Wildbienen-Arten auflisten, die im Sommer 2021 an diesem Standort tatsächlich beobachtet werden können.

Alle Fotos auf dieser Seite: © Jürg Sommerhalder

>> Zurück zur Projektseite

Mitglied werden

Unterstütze die Wildbienenförderung in der Schweiz.

Jetzt beitreten

Spenden

Jeder Beitrag fliesst direkt in konkrete Förderprojekte.

Spenden